Archive für Kategorie: Google

Wenn das Smartphone dolmetscht

Supercomputer weit draußen im Netz steuern die Datendienste in unseren Handys – Auszug aus dem Kapitel 5

Eric Schmidt, der langjährige Chef des Internetkonzerns Google, ist im August 2010 zu einem Kurzbesuch nach Berlin geflogen. Er will eine Rede auf der Internationalen Funkausstellung halten. Als der 56-Jährige auf die Bühne tritt, sieht er aus wie immer: Er trägt einen blauen Anzug, eine dazu pas- sende blaue Seidenkrawatte, ein weißes Hemd – und braune Slipper. Seine Stimme lässt keine tiefen Gefühle erahnen, er schaltet sein Lächeln in Intervallen ein, als stünde es so im Redemanuskript.

Er zählt die einzelnen Punkte der IT-Revolution an den Fingern ab – damit er bloß keinen vergisst, und so eine Rede würde normalerweise keine Erinnerung hinterlassen. Schmidt sagt Sätze wie: »Wir stehen am Anfang eines humaneren Zeitalters, in dem Computer die Dinge machen, die wir wirklich wollen, was letztlich bedeutet, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.«

So weit, so wolkig. Aber dann tritt der Google-Entwicklungsingenieur Hugo Barra auf die Bühne. »Wir haben in den vergangenen Jahren viel an der Spracherkennung gearbeitet«, beginnt Barra, reibt sich die Hände und sagt dann, er wolle etwas zeigen, was noch niemandem gelungen sei.

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Umsteuern? Aussteigen?

Ein Gespräch mit den „Zeitbombern“

Bücher über das „böse“ Internet haben sowieso schon Konjunktur. Warum jetzt noch ein Titel?

Fischermann

Fischermann: Okay, gleich mal klarstellen: Das Internet ist nicht böse, es verdirbt auch nicht den Charakter oder das Abendland, es geht nur gerade kaputt. Man hat es technisch überfordert, man überfrachtet es mit politischen und gesellschaftspolitischen Erwartungen. Manche wollen gewaltige Profite damit erwirtschaften und wir alle lassen Android- und iPhones unser Leben organisieren, ohne uns gründlich mit den Folgen auseinanderzusetzen. Wenn das weiter so läuft, geht es einfach nicht mehr lange gut mit dem Netz. Und das ist gefährlich, weil wesentliche Lebensbereiche inzwischen über das Internet gemanagt werden. Das ist die „Zeitbombe“. Davor warnen wir.

Hamann: Was in der Debatte immer übersehen wird: Es gibt nicht das Internet. Was es gibt, ist eine Technologie, die mit praktisch allen unseren Lebensbereichen unauflöslich verwoben ist. Das Internet und unsere physische Welt sind nicht mehr getrennt. Sie sind inzwischen eins – doch während in der Welt, die wir sehen und anfassen können, alle Dinge geregelt sind, gilt das fürs Internet nicht. Und daraus entstehen Konflikte: Kriminelle haben neuen Spielraum, der Staat weiß nicht so recht, wie er seine Bürger schützen soll, ohne ihre Grundrechte zu verletzen, die Konsumenten lassen sich auf Dienste ein, die sie nicht verstehen – und und und… Darüber müssen wir diskutieren.

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„… dann kommt die Regierung und übernimmt die Aufsicht.“

US-Technologielegende Jon Callas kritisiert Facebook und Google an der Humboldt-Uni

Humboldt Uni

Humboldt-Universität. Foto: Heike Zappe, Humboldt ÖA

Die amerikanische Technologie-Legende Jon Callas holte am Samstagvormittag an der Humboldt-Universität zum Rundumschlag aus: Im Großen Senatssaal diskutierte er mit den Autoren des Buches „Zeitbombe Internet“ (hier ihre Thesen) die neuesten Gefahren für das Internet und die Datenschutzprobleme bei Facebook & Co. Eingeladen hatte das gerade entstehende Institut für Internet und Gesellschaft an der Universität. Callas – da weiß man gar nicht richtig, wo man anfangen soll – ist einer der besten Kryptografen der Welt, war Mitglied der „Cypherpunk“ -Bewegung und lange Chef der PGP-Corporation („Pretty Good Privacy“), hat etliche Cyber-Sicherheits-Patente erfunden, war langjähriger Top-Sicherheits-Architekt bei Apple, arbeitet als Chief Technical Officer für die global operierende Computersicherheitsfirma Entrust und ist seit Jahren ein viel gefragter Kommentator zu IT-Themen.

Seine ungewöhnlich deutliche Warnung: Wenn Google, Facebook & Co ihre Datenschutzprobleme nicht in den Griff bekommen, könnten sie in vielen Ländern zu stark regulierten „Versorgungsunternehmen“ werden. Callas: „Dann kommt die Regierung und übernimmt die Aufsicht.“ Den Rest des Beitrags lesen »

„Legt Finger in die Wunde“

Fotos, Schlüsselzitate und Videoclips aus der ZEITBOMBER-Pressekonferenz mit Ilse Aigner in Berlin

Ilse Aigner, Ministerin:

Wir streiten für einen besseren Datenschutz in Deutschland. Ich glaube, wir haben dadurch auch die Möglichkeit, bessere Schutzsysteme zu entwickeln als andere; oder wir haben sie schon entwickelt. Ich finde es auch nicht schlecht, wenn Deutschland da technologisch und politisch als Vorreiter da stehen kann.

Jon Callas, „Cypherpunk“ und IT-Legende:

Those of us who are part of the world at large look to Germany for good consumer protection and data protection laws. You are the most forward-thinking people to do this. … But: There is also a creativity on the internet. We need to protect that.

Ilse Aigner, Ministerin:

Ich glaube, wir brauchen (zum Datenschutz zusätzliche) internationale Vereinbarungen, und wir brauchen auch Anpassungen des Datenschutzrechts an das Internetzeitalter. Die meisten Paragraphen des Datenschutzrechtes stammen aus einer Zeit, als die Telefone noch Wählscheiben hatten. Den Rest des Beitrags lesen »