Archive für Kategorie: Datenpannen

Herr Wang schickt einen Tweet

Warum man von den @zeitbombern komische Nachrichten bekommt*

* Eine Kurzfassung unseres Zeitbombe-Talks und Seminars im Betahaus Hamburg am 16.5.2012, und die Langfassung im Video.

Vielleicht folgen Sie zufällig unserem Twitter-Account, dem @zeitbomber. Dann sind die Chancen ziemlich groß, dass Sie am 15. Mai zwischen 11:08 Uhr und 11:12 Uhr einen Tweet in gebrochenem Englisch erhalten haben. Nach dem Motto: “This person is making terrible things about you”, oder so ähnlich. Dahinter war ein Link platziert, und wenn Sie einem solchen Link dann auch noch gefolgt sind, passierte in der Regel nichts Aufregendes.

Im wahrscheinlichsten Fall sind Sie auf einer Seite gelandet, die relativ glaubwürdig zu Twitter selber zu gehören scheint. Da steht dann: „Ihre Session ist ausgelaufen – bitte melden Sie sich hier erneut an“. Das kann man tun, also Usernamen und  Passwort eingeben, und das war’s dann schon.

Wenn man – wie wir das mal zum Testen gemacht haben – auf diese Seite mit einem Browser geht, in dem Javascript und dergleichen abgeschaltet sind, der also besonders hohe Sicherheitseinstellungen hat (don’t try this at home), kriegt man eine Aufforderung, das bitte gleich mal zu ändern. „Twitter ist auf Javascript angewiesen“, steht dann da. Außerdem bietet die Seite noch alle möglichen alternativen Methoden, angeblich Twitter viel besser zu nutzen, und zum Beispiel Email-Daten samt Passwort einzugeben, Twitter-SMS-Accounts zu eröffnen, auf eine mobile Seite zu wechseln und dergleichen.

Halbwegs geübte Computer- und Internetnutzer können sich denken: Das ist nicht die wahre Twitter-Seite.

 

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Verisign-”Hack” rüttelt an den Grundfesten des Internet

Schneier: “System komplett kaputt”

Inzwischen ist das in den Fachkreisen gut rundgegangen: In die Firma “Verisign” ist von unbekannten Hackern eingebrochen worden, so wird das zumindest in einem unbestätigten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet (*). Was genau dabei weg kam, sagt einem keiner. Beides ist gleichermaßen beunruhigend.

Verisign ist so eine Firma, die keiner kennt, der nicht viel mit Computern zu tun hat. Ihre Zentrale ist in Dulles in Virginia, das Unternehmen hatte im Dezember 1048 Mitarbeiter, ist auf der NASDAQ gelistet und so weiter. Auf jeden Fall kein Riesenkonzern. Und doch ist Verisign einer der wichtigsten Knotenpunkte im Netz. Die Firma stellt so genannte “Zertifikate” bereit, anhand derer man erkennen kann, was im Internet vertrauenswürdig ist oder nicht. Ist die Bank-Webseite, mit der ich gerade kommuniziere, wirklich die Webseite meiner Bank? Schicke ich meine Emails gerade über eine sichere Verbindung, oder lauscht da jemand mit? Ist der neue Druckertreiber wirklich vom Hersteller meines Druckers, oder ist er ein geschickt getarntes Trojanisches Pferd? In all solchen Fragen helfen “Zertifikate” den Programmen und ihren Anwendern weiter.

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Wer braucht Schutz im Internet?

Unser Interview mit TJ Campana: Gangsterschreck bei Microsoft.

(Der Text ist ein gestraffter Auszug aus unserem Buch.)

Was für ein Job: Gangsterschreck bei Microsoft! Thomas J. Campana ist sichtlich in seinem Element, als er auf dicken Gummisohlen durch einen Gang des Gebäudes 27 federt, eine Art Kreditkarte aus der Hosentasche zieht und ein besonders komplex aussehendes Schloss an einer Tür aufspringen lässt. »Diesen Schlüssel hat hier kaum einer«, sagt Campana. Drinnen: Schränke voller Computerserver. Elegante schwarze Gitter, ausziehbare Flachbildschirme, das sanfte Schnurren von Festplatten und Ventilatoren.

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Umsteuern? Aussteigen?

Ein Gespräch mit den “Zeitbombern”

Bücher über das „böse“ Internet haben sowieso schon Konjunktur. Warum jetzt noch ein Titel?

Fischermann

Fischermann: Okay, gleich mal klarstellen: Das Internet ist nicht böse, es verdirbt auch nicht den Charakter oder das Abendland, es geht nur gerade kaputt. Man hat es technisch überfordert, man überfrachtet es mit politischen und gesellschaftspolitischen Erwartungen. Manche wollen gewaltige Profite damit erwirtschaften und wir alle lassen Android- und iPhones unser Leben organisieren, ohne uns gründlich mit den Folgen auseinanderzusetzen. Wenn das weiter so läuft, geht es einfach nicht mehr lange gut mit dem Netz. Und das ist gefährlich, weil wesentliche Lebensbereiche inzwischen über das Internet gemanagt werden. Das ist die „Zeitbombe“. Davor warnen wir.

Hamann: Was in der Debatte immer übersehen wird: Es gibt nicht das Internet. Was es gibt, ist eine Technologie, die mit praktisch allen unseren Lebensbereichen unauflöslich verwoben ist. Das Internet und unsere physische Welt sind nicht mehr getrennt. Sie sind inzwischen eins – doch während in der Welt, die wir sehen und anfassen können, alle Dinge geregelt sind, gilt das fürs Internet nicht. Und daraus entstehen Konflikte: Kriminelle haben neuen Spielraum, der Staat weiß nicht so recht, wie er seine Bürger schützen soll, ohne ihre Grundrechte zu verletzen, die Konsumenten lassen sich auf Dienste ein, die sie nicht verstehen – und und und… Darüber müssen wir diskutieren.

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