Archive für den Monat: September, 2011

„Legt Finger in die Wunde“

Fotos, Schlüsselzitate und Videoclips aus der ZEITBOMBER-Pressekonferenz mit Ilse Aigner in Berlin

Ilse Aigner, Ministerin:

Wir streiten für einen besseren Datenschutz in Deutschland. Ich glaube, wir haben dadurch auch die Möglichkeit, bessere Schutzsysteme zu entwickeln als andere; oder wir haben sie schon entwickelt. Ich finde es auch nicht schlecht, wenn Deutschland da technologisch und politisch als Vorreiter da stehen kann.

Jon Callas, „Cypherpunk“ und IT-Legende:

Those of us who are part of the world at large look to Germany for good consumer protection and data protection laws. You are the most forward-thinking people to do this. … But: There is also a creativity on the internet. We need to protect that.

Ilse Aigner, Ministerin:

Ich glaube, wir brauchen (zum Datenschutz zusätzliche) internationale Vereinbarungen, und wir brauchen auch Anpassungen des Datenschutzrechts an das Internetzeitalter. Die meisten Paragraphen des Datenschutzrechtes stammen aus einer Zeit, als die Telefone noch Wählscheiben hatten. Den Rest des Beitrags lesen »

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Was wollen wir eigentlich?

6 Vorschläge für ein besseres Internet

Wir brauchen eine Debatte über die Zukunft des Netzes.

Binnen zwei Jahrzehnten ist es von einem Tummelplatz für Kommunikationspioniere zur wichtigsten Infrastruktur der Gegenwart herangewachsen.

Es wird dieser Rolle aber nicht mehr gerecht. Das Internet, so wie es heute besteht, scheitert an den Anforderungen von Gesellschaft und Wirtschaft. Nie war es dafür vorgesehen, solche Massen hochgradig privater, wirtschaftlich unentbehrlicher oder überlebenswichtiger Daten zu befördern und zu verwalten. Seine Benutzer haben nicht gelernt, die Risiken zu beherrschen, weder Unternehmen noch Bürger noch Staaten. Kriminelle, Spione und staatliche Aufseher aus diktatorischen Regimes gewinnen Kämpfe um Freiräume im Cyberspace. Konzerne, die die Infrastruktur des Netzes am Laufen halten, sind nicht mehr zufrieden mit den Profitmöglichkeiten. Bei bestimmten Benutzergruppen mehren sich Ängste, Gegenreaktionen und Abstoßungserscheinungen; Überforderungen mit einer Datenflut und Ängste um die Sicherheit ihrer Daten. Politiker schwanken zwischen Ignorieren und Überreagieren. Sie wissen nicht so recht, wie sie die Bürger schützen sollen, ohne Grundrechte zu verletzen.

Das geht uns alle an.

Inzwischen benutzen 2 der schätzungsweise 6,7 Milliarden Menschen auf dem Planeten dieses Netz. Im Westen könnte niemand es abschalten und dann erwarten, dass sein Leben einfach wie gewohnt weitergeht. Wir verlassen uns darauf, dass die Rechenhirne immer da sind, immer antworten und wahlweise den freundlichen Helfer, die Inspirationsquelle, das Nachschlagewerk, den Nachrichtensprecher, den Botschafter oder das kollektive Gedächtnis geben. Untrennbar wird dieses Netz nun auch mit unserer physischen Welt verwoben. Kabelstränge und Computer vernetzen Verkehrsleitsysteme, Handys, Stromzähler, Kriegsflugzeuge, Krankenhäuser, Autos; sie verbinden Menschen im Büro, Soldaten im Kampfeinsatz und Teenager beim Flirt.

Was ist tun, damit das Internet nicht zusammenbricht oder einen großen Rückschlag durch seine enttäuschten Benutzer erlebt? Den Rest des Beitrags lesen »

Das Internet sicherer machen – oder das Internet ruinieren?

Vortrag und Diskussion mit Jon Callas

Jon Callas

Callas

Das Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin lädt ein zur Matinee-Diskussion:

„Apple, Google, Facebook und der Staat: Können sie das Internet sicherer machen, ohne es zu ruinieren?“

Vortrag und Diskussion mit:

Jon Callas, Cypherpunk, Internetaktivist, früherer Cheftechniker bei „Pretty Good Privacy“ und bis Sommer 2011 der Top-Sicherheitsarchitekt beim Computerkonzern Apple

Mit Jon Callas diskutieren:

Professor Dr. Ingolf Pernice, Gründungsdirektor des Instituts für Internet und Gesellschaft

Thomas Fischermann und Götz Hamann, ZEIT-Redakteure und Autoren des Buches „Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird.“

„Apple, Google, Facebook und der Staat: Können sie das Internet sicherer machen, ohne es zu ruinieren?“
Vortrag und Diskussion mit Jon Callas
Samstag, 17. September, 11:00 bis 13:00 Uhr
Humboldt-Universität
„Senatssaal“
Unter den Linden 6
10117 Berlin-Mitte

Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. Vortrag und Diskussion sind auf Englisch.

Noch ein bisschen zur Vita des Redners:

Jon Callas gehört zu den führenden Kryptografen der Welt und zu einem der ersten Aktivisten der „Cypherpunk“-Bewegung. In den frühen neunziger Jahren brachte er, wie er es selber ausdrückt, „Sicherheit auf Millionen von Computer, weil wir ein US-amerikanisches Gesetz umgangen haben, das Datenverschlüsselung als Munition klassifizierte“. Er half dabei, den Computercode von „Pretty Good Privacy“ (PGP), einem quasi unknackbaren Verschlüsselungsprogramm, zu entwickeln und gegen den Willen der US-Regierung um die Welt zu verbreiten. Inzwischen ist starke Kryptografie die Basis für mehr Sicherheit im weltweiten Onlinehandel und in Onlinebanking.

Jon Callas war auch sonst stets im Zentrum technologischer Revolutionen an der Route 128 und im Silicon Valley. In den frühen achtziger Jahren gehörte er zum geschichten-umrankten Ingenieursteam der Digital Equipment Corporation (DEC Workstations) und wurde dort oberster Softwareingenieur. In den neunziger Jahren arbeitete er als „Senior Scientist“ bei Apple, wo er kryptografische Systeme ausbaute. In den frühen neunziger Jahren war er 2002 kaufte er die Rechte an den PGP-Softwarepatenten und kommerzialisierte die Software, bis das Unternehmen 2010 von Symantec gekauft wurde. In den vergangenen zwei Jahren wurde Callas nochmal zwei Jahre lang zu Apple gerufen, als Top-Sicherheitsarchitekt für die Betriebssysteme des Konzerns. Im August 2011 wechselte er als Technikchef zu der weltweit operierenden Sicherheitsfirma Entrust, die Regierungscomputer, Finanzkonzerne, Gesundheitskonzerne und dergleichen vor Datenverlusten schützt.

Callas ist studierter Mathematiker. Er hält acht Patente für seine eigenen Computersicherheits-Innovationen und ist heute außerdem ein vielgesuchter Kommentator in Fragen der Computersicherheit und des Datenschutzes.


Zeitbombe: Wie reagiert die Politik?

Mittwoch: Presse-Buchvorstellung und Diskussion mit Ilse Aigner

Ilse Aigner

Ilse Aigner, Foto: Guido Bergmann, Bundesregierung

Sie könnte uns bald um die Ohren fliegen – die Zeitbombe Internet. Die großartigste und wichtigste Infrastruktur unserer Zeit ist überfordert. Ungeeignet, solche Massen an sensiblen Daten zu befördern und zu verwalten. Überfrachtet mit politischen, gesellschaftlichen und kommerziellen Erwartungen. Kriminellen eröffnen sich neue Spielräume, Konsumenten lassen sich auf Dienste ein, die sie nicht verstehen, und der Staat weiß nicht so recht, wie er seine Bürger schützen soll, ohne ihre Grundrechte zu verletzen. Wie retten wir das Internet?

Götz HAmann

Hamann

Fischermann

Fischermann

Das ist das Anliegen der Autoren des frisch erschienenen Buches „Zeitbombe Internet“, Thomas Fischermann und Götz Hamann. Und darüber spricht und debattiert mit den Autoren am 14. September um 11.30 Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vor der Presse. Aigner ist zweifellos das Mitglied der Bundesregierung, das sich bisher am wehrhaftesten mit Google, Facebook & Co angelegt hat, ob sie nun Datenrechtssorgen hatte oder das Abfotografieren deutscher Häuserfassaden für neue Kartendienste schädlich fand.

Pressekonferenz „Zeitbombe Internet“ mit Thomas Fischermann und Götz Hamann in Anwesenheit von Bundesministerin Ilse Aigner / 14. September / 11.30 – 12.30 Uhr / Spiegel TV Studio / Pariser Platz 4a

Hinweis: Die Veranstaltung bei Spiegel TV Berlin ist für geladene Vertreter alter und neuer und ganz neuer Medien – Akkreditierung bei Prittwitz&Partner team[at]prittwitzundpartner.de beziehungsweise @pundp auf Twitter. Der Fernsehmitschnitt mit Highlights aus der Veranstaltung ist anschließend auf dieser Seite zu sehen!