„Legt Finger in die Wunde“

Fotos, Schlüsselzitate und Videoclips aus der ZEITBOMBER-Pressekonferenz mit Ilse Aigner in Berlin

Ilse Aigner, Ministerin:

Wir streiten für einen besseren Datenschutz in Deutschland. Ich glaube, wir haben dadurch auch die Möglichkeit, bessere Schutzsysteme zu entwickeln als andere; oder wir haben sie schon entwickelt. Ich finde es auch nicht schlecht, wenn Deutschland da technologisch und politisch als Vorreiter da stehen kann.

Jon Callas, „Cypherpunk“ und IT-Legende:

Those of us who are part of the world at large look to Germany for good consumer protection and data protection laws. You are the most forward-thinking people to do this. … But: There is also a creativity on the internet. We need to protect that.

Ilse Aigner, Ministerin:

Ich glaube, wir brauchen (zum Datenschutz zusätzliche) internationale Vereinbarungen, und wir brauchen auch Anpassungen des Datenschutzrechts an das Internetzeitalter. Die meisten Paragraphen des Datenschutzrechtes stammen aus einer Zeit, als die Telefone noch Wählscheiben hatten.

... im SPIEGEL-Studio am Brandenburger Tor

Volles SPIEGEL-Studio

Zum Thema Internetsicherheit

Ilse Aigner, Ministerin:

Es sind überall Sicherheitslücken zu finden, ob bei Kraftwerken, Banken, Verkehrssystemen, Verteidigungsstrukturen, bis hin zum Operationstisch. Das Buch legt hier den Finger in die Wunde. … Aber: Es verteufelt das Internet nicht.

Thomas Fischermann, Zeitbomber:

Wie kann man denn kritische Geschäfte auf eine Infrastruktur bauen, die so einfach lahmzulegen ist?

Ilse Aigner, Ministerin:

Ein neues, sicheres Netz muss her, fordern die Autoren – ein Netz, das sich an den Bedürfnissen der Menschen und Verbraucher orientiert, das extremen Belastungen standhält, und das unterschiedliche Informationsflüsse auch unterschiedlich schützt. Wir bauen uns ein neues Internet? Das klingt wie eine verspielte Fantasie. Aber in diesem Buch erhält das Internet der Zukunft auch erstmals eine neue Kontur.

Christof Kerkmann, dpa:

Müsste, wenn man das konsequent zu Ende denkt, man nicht auch von Seiten des Staates ein Netz aufbauen, das zum Beispiel Sicherheitsbehörden nutzen können?

Götz Hamann, Zeitbomber:

Was wir uns wünschen ist, dass es Anreizsysteme gibt für Unternehmen – damit die sich wirklich kümmern, damit die Datenverluste … weniger werden… Aber wir hatten es jetzt ein paarmal, dass Daten aus deutschen Behörden entfleucht sind. Die Frage ist: Wer macht da die Vorgaben? Da wird man eine Debatte führen müssen.

Hamann, Park, Callas, Fischermann, Best

Pause: Götz Hamann (links), Enno Park, Jon Callas, Tom Fischermann, Jens Best

Jens Best, Internetexperte:

Es gibt zivilisierte Gegenden auf diesem Planeten, da werden Häuser gar nicht abgeschlossen, und man höre und staune, sie werden nicht regelmäßig zweimal am Tag leergeräumt. … Warum man Fenster und Türen abschließt, hat nichts mit dem Haus zu tun, sondern eher mit den Menschen, mit denen man zusammen in einer Gegend wohnt.

Götz Hamann, Zeitbomber:

Wir wehren uns dagegen, es normal zu finden, dass irgendjemand in Unternehmen eindringt und persönliche Informationen (von deren Kunden) ins Netz stellt, die dann auch noch finanziellen Schaden anrichten können.

Götz Hamann, Zeitbomber:

In den USA ist es völlig normal, dass man über die Sicherheit von Infrastrukturen diskutiert. Die Entrepreneure aus dem Silicon Valley sind von Technologie begeistert – und trotzdem leugnen sie die Schwächen des Netzes nicht. Die Debatte dort ist eine andere als hierzulande. Im Silicon Valley wird nicht gleich behauptet, man sei ein Defätist und Internetverweigerer, bloß weil man Kritik am Netz übt und zuspitzt, um ins Gespräch zu kommen.

Zum Thema Buch

Jens Best, Internetexperte:

Da fehlt es sehr an Trennschärfe zwischen einigen Punkten, die tatsächlich interessant sind, das muss ich sagen, und einigen Punkten, die dazu dienen, dass noch weniger Leute das Internet in die Hand nehmen. … So ein Hin und Her, das von einem Absatz zum anderen Dinge zusammenwirft, die nichts weiter sind als der übliche Alarmismus, mit dem man in Deutschland Bücher verkauft.

Thomas Fischermann, Zeitbomber:

Wir sind keine Internet-Gegner und auch keine Internet-Alarmisten. Wir brauchen das Internet für unseren Wohlstand und vielleicht erst recht zur Befeuerung unserer Kultur und Gesellschaft…. (Aber:) Das Internet ist nicht mehr als Spielwiese für Ingenieure, Geeks, Blogger, IT-Unternehmer und selbstreferentielle Technikeliten alleinezu verstehen.

Publikumsdiskussion

Publikumsdiskussion

Ilse Aigner, Ministerin:

Es gibt Viele, die sich sehr gut auskennen, aber es sind eben nicht alle. … Mir stellt sich die Frage, ob sich jeder hauptamtlich den ganzen Tag mit den Feinheiten des Internet beschäftigen muss, um dieses Medium zu nutzen! … Ob ein neues Netz gebaut wird, und wie es sich gestalten wird, wird eine spannende Frage sein. Ich danke Ihnen ganz ausdrücklich für Ihre Denkanstöße. Ich denke, wir sind uns einig, dass es ein freies Netz sein muss. Das ist das Wesen des Internets.

Fotos: Sabine Münch, Videos: SPIEGEL TV