Danke, Betahaus!

Oder: So viele Geräte in der Tasche…

Klasse Diskussion im randvollen betahaus Hamburg – informiert und kritisch-bis-beinhart mit dem Publikum, etwas entspannt-ironischer an der Twitter-Wall. Danke betahaus, danke ZEIT-Stiftung und ihr „Vernetzt Leben“-Projekt, danke Katharina Borchert fürs Moderieren.

Lustigste Tweets des Abends:

@weltregierung: Hacker Remote-spuelen mein Geschirr. #schreckensszenarien #zeitbombe (Wer’s nicht versteht, muss jetzt leider das dritte Kapitel in unserem Buch lesen.)

@videopunk: How I Learned to Stop Worrying and Love the #Zeitbombe.

Schwerste Verkaufe: Unsere Prognose im allerletzten Kapitel der „ZEITBOMBE Internet“, dass das Netz sich in mehrere Teilnetze auflösen wird – und unsere Forderung, dass genau das geschehen sollte. Whoa. Here Be Dragons. Ist schon klar, dass das eine polarisierende These ist (die wir aber keineswegs alleine vertreten), und dass gleich dahinter unangenehme Themen wie Netzneutralität, Misstrauen-wer-da-eigentlich-dann-die-Kontrolle-bekommt, Und-dürfen-dann-auch-noch-Bürgerrechtler-aus-Syrien-ins-Netz und so weiter lauern.

Nur ehrlich gesagt: Es gibt doch gar keine Alternative. So großartig das heutige Internet viele Dinge erledigt – in einigen ganz speziellen Dingen ist es unheimlich schlecht. Immer dann, wenn kritische Informationen sicher übertragen und abgelegt werden sollen (also Kreditkarteninformationen, der Informationsaustausch beim Homebanking, die persönliche Identifikation beim Online-Wählen, Kraftwerke aus der Ferne warten und verwalten – alles eben, wo starke Authentifizierung gefragt ist), versagt das heutige Biotop aus Internetprotokollen, den gängigen Betriebssystemen, WLAN-Verbindungen und so fort.

Seit Mitte 2010 sehr sichtbar, aber eigentlich schon viel länger, führen Anonymous-Hacker die Konzerne an der Nase herum, rauben organisierte Banden Online-Konten aus (und nein, die Banken haften nicht oder bloß noch äußerst selten!), klauen chinesische Staatshacker irgendwelche Flugzeugbaupläne bei Lockheed Martin, rollt eine neue Welle von Onlinebanking-Diebstahl und ID-Diebstahl über die USA und auch bis nach Deutschland. Und so weiter und so fort. Schreiben wir jetzt nicht einfach so; sondern wir glauben, dass wir das im Buch ganz schön nachgewiesen haben.

In solchen Zeiten muss man wohl mal drüber nachdenken, ob es für bestimmte kritische Sachen Extra-Netze geben soll.

Größter Lacher: Da wollen Fischermann und Hamann für jedes dieser Netze auch noch eigene Endgeräte !

HASENFARM Henry Kline Für jeden Dienst einen eigenen Rechner??? Ich wünschte mir ersthafte Vorschläge. Hier sitzen intelligente Anwender. #zeitbombe

An der Stelle, allerdings, sind wir ein bisschen verdutzt. Soll doch mal bitte jeder schnell durchzählen: Mit wie vielen Geräten laufen wir denn heute sowieso schon rum, und wie viele haben wir zusätzlich zuhause? Zeitbomber Fischermann’s persönliches Durchzählen hier am frühen Dienstagmorgen: Smartphone, Tischrechner (privat), Tischrechner (Arbeit), Notebook, Kindle, alter-Lenovo-Rechner-für-Testinstallationen-in-der-Ecke, XBox, Squeezebox-Internetradio. Und ui, der Fernseher kann angeblich auch ins Netz, ist aber noch nicht angeschlossen.

Es ist überhaupt kein großer Sprung, zu sagen: Fürs Onlinebanking akzeptiere ich ein weiteres, vielleicht mobiles Gerät.  Wenn meine Bank mir in der Zukunft irgendwann ein garantiert sicheres Onlinebanking zur Verfügung stellt (das jetzige ist – ach, wir schrägen Panikmacher! – komplett unsicher), wenn sie den kompletten Datenweg vom Geldtresor bis zum Keyboard in meiner Hand sichert und dafür haftet und nix wegkommen lässt, dann nimmt man dafür doch ein neues Gerät entgegen! So ’ne Art Smartphone, zum Beispiel, das aber nichts als Onlinebanking kann, und auf dem weder ich noch Trojanische-Pferdeschreiber etwas installieren können.

Man kann sich auch andere technische Lösungen vorstellen, aber das ist doch eine saubere Sache.

Und man kann sich vorstellen, dass dieses Homebanking-Gerät, andere Zahlungsfunktionen abwickelt, ebenfalls direkt mit der Bank, nur über das „Bank-NET“ oder wie auch immer das heißen soll, und uns viele Kopfschmerzen beim Surfen im Rest des Netzes wegzaubert.

Was aber treibt die Branche im Augenblick? Sie führt alle möglichen Bezahlfunktionen auf unseren internetfähigen Smartphones ein ! Hält das, bitteschön, irgendwer für die sicherere Lösung? Von den Banksachverständigen und Computersicherheitsexperten, mit denen wir gesprochen haben, tut es keiner.

Schöne Woche !

Die ZEITBOMBER

P.S. Beim nächsten Blog Blogeintrag oder so kommen wir dann nochmal auf die @weltregierung und ihren Albtraum von der ferngesteuerten Spülmaschine zurück…;) Nur ganz kurz. Dass man Elektrogeräte der großen und gefährlichen Art und Verkehrsleitsysteme und Kraftwerke und Flughäfen und Ampelschaltungen zum Steuern nicht einfach ans Internet hängen sollte, leuchtet doch eigentlich ein, oder? Dass man dafür, wenn man überhaupt ein Netz bauen muss, sich ein eigenes leistet? Aber von wegen. Genau solche Dinge gehen gerade reihenweise ans Internet. Kostet weniger. Aber eben nur, solange nichts passiert.